JP X2-Video - шаблон joomla Новости

Die Europäische Union - Kultur als Sprengstoff

Die  Bilder in den Medien gleichen einander. Politiker stehen vor den Kameras und beschwören den europäischen Geist und verweisen darauf, dass Europa als Projekt friedensstiftend sei und daher auf keinen Fall scheitern dürfe. Das Schreckgespenst eines neuen großen Krieges wird heraufbeschworen, sollte das Projekt Europa scheitern und der Weg hin zu den "Vereinigten Staaten von Europa" als alternativlos bezeichnet. Die Phrasen kennen wir inzwischen fast auswendig, einzig die jeweiligen Krisen wechseln und rütteln an den Grundfesten der EU. Ein kritisch denkender Mensch kommt jedoch nicht umhin sich zu fragen, ob denn wirklich alles so alternativlos ist und welche Fehler das Gesamtkonzept der EU enthält, die zu eben diesen ständigen Krisen führen.

Weder in Deutschland - das selbst immerhin auch eine föderale Struktur besitzt - noch im gerne herangezogenen Vorbild USA beobachten wir ähnliche Probleme. Ist es also ein Versagen der Politik, die das eigentliche Problem gar nicht erkannt hat, oder wird dieses bewusst totgeschwiegen, weil man nicht bereit ist nötige Änderungen am Konzept der EU vorzunehmen, hätte man das Grundproblem erst einmal offengelegt?

Bereits Konrad Adenauer sprach von den "Vereinigten Staaten von Europa" als Ziel, um künftige Kriege auf dem europäischen Kontinent auszuschließen. Genau diese Vorstellung eines Europas, das sich in seiner Struktur an den Vereinigten Staaten von Amerika orientiert ist es aber, die ganz offenbar so nicht von den Menschen gewollt wird und daher Widerstand hervorruft.

Die EU gleicht einem Schnellkochtopf in dem es brodelt und in dem der Druck steigt. Jedes Mal wenn wir Europäer mit etwas unzufrieden sind, steigt der Druck weiter an. Noch hält der Topf, aber wenn eine Krise so stark wird, dass auch nur ein kleines Loch entsteht, so wird der angestaute Druck den Topf zerreisen - die EU wird zerbrechen. Um dem Grund auf die Spur zu kommen müssen wir uns die unterschiedliche Geschichte Europas und Amerikas vergegenwärtigen. Die USA sind und waren ein Einwanderungsland. Menschen aus den verschiedensten Ländern ließen ihre Heimat zurück, um in der Neuen Welt ihr Glück und eine bessere Zukunft zu suchen. Damit verbunden war eine bewusste Entscheidung, die eigene Kultur zurückzulassen und durch etwas Neues zu ersetzen. Was genau, das dürfte den Wenigstens klar gewesen sein, gemeinsam war Ihnen jedoch die Bereitschaft Veränderungen in ihrem Leben zu akzeptieren, ja diese sogar bewusst herbeizuführen. Das kulturelle Erbe der Vereinigten Staaten von Amerika ist dementsprechend eine bunte Mischung aus den unterschiedlichen Sitten und Gebräuchen der Zuwanderer und geprägt durch ihre relativen Anteile an der jeweiligen regionalen Bevölkerung. Auch in der Geschichte der Vereinigten Staaten gab es Spannungen aufgrund unterschiedlicher kultureller und gesellschaftlicher Vorstellungen, die letztlich in den Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten mündeten. Insgesamt ändert sich die Kultur der USA jedoch beständig und dieser Wandel hält bis in die heutige Zeit an. Zur Zeit der Gründerväter war vor allem eine Dominanz europäischer Wertvorstellungen vorhanden, die sich bis heute in sehr deutlicher Form in gesellschaftlichen Strukturen behaupten, die nur einem sehr langsamen Wandel unterliegen. Als Beispiel sei hier nur auf das Rechtssystem verwiesen. Heute sind es insbesondere starke Einflüsse der Einwanderer aus Mittelamerika (z. B. Mexiko), die die ursprünglich sehr britisch dominierte Kultur verändern und es ist nicht verwunderlich, dass nicht alle diese Veränderung gutheissen.

Was hat nun all dies mit den Problemen der Europäischen Union zu tun? Alles! Der fundamentale Unterschied zwischen den Menschen in Europa und Amerika ist der, dass Erstere keine bewußte Entscheidung getroffen haben, ihre eigene Kultur aufzugeben oder auch nur eine Veränderung durch mehr europäische Integration zuzulassen. Europa ist ein Kontinent der Diversität. Nicht nur jedes Land, jede Region hat ihre eigenen kulturellen Besonderheiten und sie sind es, mit denen sich die Menschen identifizieren und die für ein Gefühl von Heimat sorgen. Die Flüchtlingskrise hat dies deutlich gemacht und der Brexit ist die logische Antwort eines Volkes, das vielleicht mehr als alle anderen seine eigenen Traditionen pflegen und bewahren möchte und daher von Anfang an nur mit einer gewissen Distanz an der Europäischen Union teilgenommen hat.

Eine europäische Integration kann dauerhaft nur dann gelingen, wenn sie Raum lässt für die Vielfalt der kulturellen Identitäten und den Wunsch der Menschen, ihre eigene Kultur zu bewahren. Dies bedeutet aber auch, dass vieles von dem, was die Politik als unverhandelbare Bestandteile Europas ansieht, auf den Prüfstand gehört und hier wäre an vorderster Stelle die Freizügigkeit zu nennen. Offene Grenzen zum Reisen - egal ob für Geschäft oder Urlaub - sind Annehmlichkeiten, die unsere kulturelle Identität nicht gefährden. Aber der unbegrenzte Zuzug von Menschen aus anderen Ländern Europas, insbesondere solchen, die sprachlich und kulturell verschieden sind, führt unausweichlich zu einer Veränderung der Gesellschaft und ihrer Normen und genau dies ist von vielen Menschen nicht gewünscht. Ein Engländer reklamiert für sich das Recht, seiner Tradition entsprechend zu leben und das Gleiche gilt für Franzosen, Deutsche oder Italiener. Mit Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit hat dies nichts zu tun, denn es geht ja gerade nicht um eine generelle Ablehnung sondern nur darum, einen auswärtigen Einfluss auf die eigene Kultur und Lebensart zu begrenzen. Diese Diskussion, wie wir uns eine europäische Einigung vorstellen und dabei zugleich in der Lage sind, unsere jeweiligen kulturellen Identitäten zu bewahren, muss geführt werden, wollen wir das Projekt Europa retten. Wer diesen berechtigten Interessen gegenübertritt, indem er sofort den Vorwruf von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus herausholt und damit eine sachliche Diskussion unmöglich macht, verteidigt zwar auf kuze Sicht das aktuelle politische Modell der EU, er verhindert jedoch dessen Weiterentwicklung und Neuausrichtung auf die Bedüfnisse der in ihr lebenden Menschen und gefährdet daher langfristig das Gesamtprojekt der europäischen Einigung.

Gernot Ortmanns

Als klinisch tätiger Arzt und ehemaliger Unternehmensberater und Projektmanager ist das Spektrum der Themen, die mich interessieren sehr breit. Die sehr internationale Ausrichtung - ich habe neben Deutschland auch in Australien und der Schweiz gelebt und gearbeitet - verleiht mir eine Perspektive, die ich ohne diese Erfahrung so nicht hätte. Ich hoffe, ich kann meinen geneigten Lesern ein Stückweit diese Perspektive vermitteln und zu einer differenzierteren, vielschichtigeren Sicht der Dinge beizutragen.

Webseite: www.kritikpunkt.net/

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Mitarbeit

Sie möchten einen Gastbeitrag veröffentlichen? Senden Sie diesen einfach an
gastbeitrag[at]kritikpunkt.net

Kontakt

Sie möchten Feedback geben oder uns aus einem anderen Grund kontaktieren?

info[at]kritikpunkt.net